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Leitlinie vaginale Geburt ist da!


 

Seit 2021 ist die neue Leitlinie vaginale Geburt da.

In der Kurzfassung 138 Seiten lang und nicht in wenigen Worten wiederzugeben, ist sie aus meiner Sicht ein Meilenstein für die gebärenden Frauen im Hinblick auf Selbstbestimmtheit, Unversehrtheit und Gesundheit.

“Die Bedürfnisse und Rechte der Frau rücken ins Zentrum der geburtshilflichen Versorgung. Das ist wirklich bahnbrechend”, sagt Katharina Hartmann vom Verein Mother Hood, die an der Leitlinie mitgeschrieben hat.

Eine Leitlinie dieser Kategorie ist rechtlich nicht bindend, hat aber einen deutlichen Empfehlungscharakter, der eine Umsetzung fordert.

Wichtige Stichpunkte greife ich hier heraus, mit der Bitte, bei genauerem Interesse selbst in der Leitlinie zu lesen.

  • Die Empfehlungen basieren auf dem aktuellsten evidenzbasierten, also wissenschaftlich fundierten Wissensstand (wer dachte, das sei selbstverständlich, darf erfahren, dass jährlich knapp 2 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum durch ihre Geburten "behandelt we/(u)rden", ohne dass einheitliche wissenschaftliche Informationen die Basis gebildet hätten...)
  • Frauzentriert, die einzelne jeweilige Frau steht im Mittelpunkt.
  • Frau soll zu allen Geburtsorten und Geburtsmöglichkeiten objektiv und ohne persönliche Sichtweisen und Urteile der Fachperson beraten werden.
  • Die Eins-zu-Eins-Begleitung der Geburt durch eine Hebamme soll gewährleistet sein.
  • Begleitung und regelmäßiges Hören der Herztöne statt Dauer-CTG
  • Routinemäßige Interventionen sollen nicht angeboten werden oder stattfinden.
  • Bewegung und freie Wahl der Position soll unterstützt werden.
  • Frau soll nicht in Maikäferhaltung gebären, sondern zu der Position ermuntert werden, die ihr angenehm ist.
  • Kristellerhilfe soll nicht angewendet werden, Frau hat ein Vetorecht
  • Die Zeit"vorgaben" für die Geburtsphasen werden großzügiger.
  • Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind soll sobald wie möglich nach der Geburt gefördert und ermöglicht werden, diese Bondingphase nicht gestört werden.
  • Das Abnabeln des Kindes kann nach den Wünschen der Mutter erfolgen und soll nicht sofort stattfinden.

Es bleibt abzuwarten, wie diese Empfehlungen zur Umsetzung gelangen. Frauen haben aber nun eine gute Argumentationsgrundlage, wenn sie interventionsfrei gebären wollen. Für mich ist außerdem auch tatsächlich ein neues Bewusstsein bei den beteiligten Berufsgruppen wahrnehmbar, dass die derzeitigen Geburtsumstände in dieser Form nicht mehr zu halten sind. Ich glaube, hoffe und wünsche, dass wir "über´n Berg" sind und Frauen, Kinder und Väter aus den Geburten zunehmend kraftvoll, gestärkt, gesund und sicher hervorgehen. Die Chancen dafür steigen jedenfalls! DANKE!!!